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Leitfaden zur Entwicklung der Biokatalyse

Ressourcenleitfaden von Creative Enzymes

Leitfaden zur Entwicklung der Biokatalyse

Ein praxisorientierter Leitfaden zur Gestaltung enzymbasierter Reaktionen, zur Auswahl geeigneter Biokatalysatoren, zum Enzym-Engineering sowie zur Prozessentwicklung.

Die Biokatalyse findet zunehmend Anwendung in der pharmazeutischen Synthese, der Herstellung von Feinchemikalien, der Lebensmittel- und Aromaproduktion, der Entwicklung diagnostischer Enzyme sowie in der nachhaltigen Chemie. Durch den Einsatz natürlicher Enzyme, gentechnisch optimierter Enzyme, Ganzzell-Systeme, Rohenzympräparate oder Multi-Enzym-Systeme als Katalysatoren können Forschende und Prozessentwickler hochselektive Umsetzungen unter vergleichsweise milden Bedingungen realisieren.

Creative Enzymes stellt diesen Leitfaden als praxisorientierten Einstieg für Teams bereit, die bewerten, ob ein enzymbasierter Ansatz für eine Reaktion, ein Produkt oder einen Prozess geeignet sein könnte.

Im Vergleich zu vielen konventionellen chemischen Ansätzen kann die enzymbasierte Katalyse eine ausgezeichnete Chemoselektivität, Regioselektivität und Stereoselektivität bieten. Sie kann zudem dazu beitragen, die Anzahl der Syntheseschritte zu reduzieren, Reaktionsbedingungen zu vereinfachen, den Einsatz aggressiver Reagenzien zu vermeiden und nachhaltigere Syntheserouten für hochwertige Moleküle zu unterstützen.

Was ist Biokatalyse?

Biokatalyse bezeichnet den Einsatz biologischer Katalysatoren zur Durchführung chemischer Umsetzungen. Diese Katalysatoren können gereinigte Enzyme, gentechnisch optimierte Enzyme, immobilisierte Enzyme, Zelllysate, Ganzzell-Systeme oder gezielt entwickelte Multi-Enzym-Kaskaden umfassen.

In einem einfachen Fall kann die Biokatalyse ein einzelnes Enzym umfassen, das ein Substrat in das gewünschte Produkt umsetzt. In einem fortgeschritteneren Projekt können mehrere Enzyme zu einem Kaskadenprozess kombiniert werden, bei dem ein enzymatischer Schritt ein Zwischenprodukt erzeugt, das ohne Isolierung direkt vom nachfolgenden Enzym weiterverarbeitet wird.

Biokatalyse ist nicht nur eine Methode zur Substitution eines einzelnen chemischen Reaktionsschritts. In vielen Projekten wird sie zu einer umfassenden Entwicklungsstrategie, die unter anderem Reaktionsanalyse, Zuordnung geeigneter Enzymklassen, Identifizierung potenzieller Enzymkandidaten, Screening, rekombinante Expression, Enzym-Engineering, Optimierung der Reaktionsbedingungen, Immobilisierung sowie Prozessentwicklung umfassen kann.

Praktische Frage zum Projekt

Die erste Frage lautet in der Regel nicht „Welches Enzym soll ich kaufen?“, sondern „Ist diese Transformation für eine Enzymkatalyse geeignet?“. Deshalb ist die Machbarkeitsbewertung einer biokatalytischen Route häufig der Ausgangspunkt.

Entwicklungsablauf von der Machbarkeitsprüfung der Syntheseroute über die Validierung des Kandidaten bis hin zur Optimierung und Prozessunterstützung.

Warum Biokatalyse wichtig ist

Die Biokatalyse hat sich in der modernen chemischen und biopharmazeutischen Forschung zu einem wichtigen Instrument entwickelt, da sie mehrere häufige Herausforderungen in der Synthese sowie in der Prozessentwicklung adressieren kann.

Hohe Selektivität

Enzyme können eine hervorragende Chemoselektivität, Regioselektivität und Stereoselektivität bei der Herstellung chiraler Zwischenprodukte, Feinchemikalien und diagnostischer Substrate gewährleisten.

Milde Bedingungen

Viele Enzyme sind unter wässrigen oder gemischt-wässrigen Bedingungen, bei moderaten Temperaturen und in nahezu neutralen pH-Bereichen aktiv.

Vereinfachung des Verabreichungswegs

Selektive Umsetzungen können den Bedarf an Schutzgruppenstrategien, chiralen Racematspaltungen oder mehreren Reinigungsstufen reduzieren.

Technisches Potenzial

Natürliche Enzyme lassen sich häufig durch rationales Design, gerichtete Evolution, computergestütztes Design oder Stabilitätsengineering optimieren.

Nachhaltige Chemie

Biokatalyse kann Abfälle reduzieren, die Atomökonomie verbessern und effizientere Syntheserouten für hochwertige Moleküle ermöglichen.

Wann sollten Sie einen biokatalytischen Ansatz in Betracht ziehen?

Ein biokatalytischer Ansatz kann in Erwägung gezogen werden, wenn ein konventioneller chemischer Syntheseweg hinsichtlich Selektivität, Ausbeute, Kosten, Umweltauswirkungen oder Skalierbarkeit auf Herausforderungen stößt.

  • Ein chiraler Alkohol, ein chirales Amin oder ein stereochemisch definierter Zwischenstoff ist erforderlich.
  • Die Reaktion erfordert eine hohe Regioselektivität oder Stereoselektivität.
  • Der aktuelle chemische Prozessschritt weist eine geringe Umsetzung, eine unzureichende Selektivität oder eine erschwerte Aufreinigung auf.
  • Der Syntheseweg ist auf kostspielige Metallkatalysatoren oder harte Reaktionsbedingungen angewiesen.
  • Das Substrat kann von bekannten Enzymfamilien akzeptiert werden.
  • Der Syntheseweg könnte von einer geringeren Anzahl an Schutzgruppenmanipulationen profitieren.
  • Ein umweltfreundlicherer bzw. nachhaltigerer Syntheseweg ist wünschenswert.
  • Instabile Zwischenprodukte sind schwer zu isolieren.
  • Der Prozess kann von der Immobilisierung oder Wiederverwendung von Enzymen profitieren.
  • Ein mehrstufiger Syntheseweg kann durch das Design einer Enzymkaskade vereinfacht werden.

Workflow zur Entwicklung der Biokatalyse

Ein vollständiges Biokatalyseprojekt lässt sich in mehrere Entwicklungsphasen gliedern. Nicht jedes Projekt erfordert jede Phase, jedoch bietet dieser Workflow einen praxisorientierten Rahmen für die Planung der Entwicklung enzymbasierter Reaktionen.

  1. Reaktions- und Produktanalyse

    Definieren Sie das Zielmolekül, das Ausgangsmaterial, die gewünschte Transformation, die stereochemischen Anforderungen, die Produktspezifikationen, die Analysenmethode sowie die aktuellen Engpässe in der Synthese.

  2. Bewertung der Machbarkeit einer biokatalytischen Syntheseroute

    Vergleichen Sie die Zielumwandlung mit bekannten enzymkatalysierten Reaktionstypen, um zu beurteilen, ob ein biokatalytischer Syntheseweg technisch sinnvoll ist und welche Enzymfamilien hierfür potenziell relevant sein könnten.

  3. Identifizierung potenzieller Enzymkandidaten

    Wählen Sie Kandidatenenzyme aus kommerziellen Bibliotheken, der Fachliteratur, Datenbanken, genomischen oder metagenomischen Ressourcen, homologen Enzymfamilien, biosynthetischen Stoffwechselwegen oder kundenspezifischen Enzymkollektionen aus.

  4. Enzym-Screening und Validierung der Enzymaktivität

    Testen Sie potenzielle Enzymkandidaten gegen das Zielsubstrat unter Verwendung kommerzieller Panels, rekombinanter Kandidaten, Rohlysate, gereinigter Enzyme, Mikrotiterplatten-Assays, HPLC, UHPLC, LC-MS, GC oder anderer analytischer Methoden.

  5. Rekombinante Enzymproduktion

    Sobald eine vielversprechende Sequenz bekannt ist, wird Enzymmaterial durch Sequenzprüfung, Codon-Optimierung, Gensynthese, Vektorkonstruktion, Expression, Aufreinigung, Identitätsbestätigung und Aktivitätsvalidierung hergestellt.

  6. Substratspezifitäts- und Selektivitätsprofilierung

    Bewerten Sie Umsatz, Produktbildung, Nebenreaktionen, Enantioselektivität, Regioselektivität, Substratinhibition sowie die relative Aktivität über verwandte Substrate bzw. Analoga hinweg.

  7. Enzym-Engineering und -Optimierung

    Aktivität, Stabilität, pH-Toleranz, Lösungsmitteltoleranz, Expression, Substratakzeptanz, Selektivität, Produktinhibitionsresistenz oder Toleranz gegenüber hoher Substratbeladung verbessern.

  8. Optimierung der Reaktionsbedingungen

    Optimieren Sie pH-Wert, Puffersystem, Temperatur, Substratkonzentration, Enzymbeladung, Kofaktorkonzentration, Kofaktorregeneration, Lösungsmittel, Reaktionszeit, Fütterungsstrategie, Produktabtrennung, Durchmischung und Reaktionsmaßstab.

  9. Multi-Enzym-Kaskade oder Prozessentwicklung

    Entwerfen Sie sequenzielle, parallele oder teleskopierte enzymatische Syntheserouten, indem Sie die Enzymkompatibilität, das Cofaktor-Balancing, die Stabilität von Zwischenprodukten, Enzymverhältnisse sowie One-Pot-Reaktionsformate bewerten.

  10. Unterstützung bei der Bioprozessentwicklung

    Bewerten Sie Substratbeladung, Produktivität, Enzymumsatz, Enzymkosten, Robustheit, Reproduzierbarkeit, nachgelagerte Aufarbeitung/Trennung (Downstream Processing), Machbarkeit der Immobilisierung, Abfallreduktion sowie das vorläufige Scale-up-Risiko.

Modulare Unterstützung der Biokatalyse

Creative Enzymes unterstützt Biokatalyseprojekte durch modulare Entwicklungsdienstleistungen. Diese Module können einzeln ausgewählt oder zu einem umfassenderen Projekt-Workflow kombiniert werden.

Modul Wann es sinnvoll ist Typischer Support oder Output
Bewertung der Machbarkeit einer biokatalytischen Syntheseroute Der Kunde verfügt über ein Zielmolekül bzw. eine Reaktionsherausforderung, hat jedoch noch kein spezifisches Enzym ausgewählt. Reaktionsanalyse, Zuordnung zur Enzymklasse, Literaturrecherche, Datenbankrecherche, Bewertung der Substratkompatibilität sowie technische Empfehlung.
Enzymkandidaten-Screening Potenzielle Biokatalysatoren müssen vor der nasschemischen Laborprüfung identifiziert werden. Kandidaten-Enzymliste, Sequenzinformationen, Zusammenfassung der Enzymfamilie, Literaturbelege, prognostizierte Substratrelevanz und Screening-Prioritäten.
Screening kommerzieller Enzymbibliotheken Für frühe Machbarkeitsprüfungen wird ein schneller Einstieg benötigt. Screening von Enzympanels wie Ketoreduktasen, Alkoholdehydrogenasen, Iminreduktasen, reduktiven Aminasen, Transaminasen, Lipasen, Esterasen, Nitrilasen, Oxidasen oder Monooxygenasen.
Maßgeschneiderte Produktion rekombinanter Enzyme Eine Enzymsequenz ist bekannt, jedoch wird Material für Prüfungen, Charakterisierung oder Entwicklung benötigt. Codon-Optimierung, Gensynthese, Klonierung, rekombinante Expression, Aufreinigung und Validierung der biologischen Aktivität.
Screening der Substratspezifität Ein Enzym muss anhand eines Panels von Substraten oder Analoga evaluiert werden. Umsetzungsdaten, Produktbestätigung, Ranking der relativen Aktivität, Selektivitätsvergleich und Kartierung des Substratspektrums.
Enzymtechnik Ein natürliches Enzym erfüllt die Leistungsanforderungen eines nicht natürlichen Substrats oder einer nicht natürlichen Prozessbedingung nicht. Rationales Design, ortsspezifische Sättigungsmutagenese, Engineering des aktiven Zentrums, gerichtete Evolution, computergestütztes Design, Stabilitätsengineering und Screening von Mutanten.
Optimierung der Reaktionsbedingungen Ein aktives Enzym wurde identifiziert, jedoch müssen Umsatz, Ausbeute, Selektivität oder Reproduzierbarkeit verbessert werden. Optimierung von pH-Wert, Temperatur, Puffersystem, Substratbeladung, Enzymbeladung, Kofaktorsystem, Kosolvens, Reaktionszeit und Fütterungsstrategie.
Design einer Multi-Enzym-Kaskade Zwei oder mehr enzymatische Umwandlungen können zu einem integrierten Prozessweg kombiniert werden. Routendesign, Bewertung der Enzymkompatibilität, Strategie zur Cofaktorregeneration, Bewertung der Zwischenproduktstabilität, Design der Reaktionssequenz und Optimierung der Kaskadenreaktion.
Bewertung der Enzymimmobilisierung und Wiederverwendung Enzymenkosten, Produktabtrennung, Wiederverwendbarkeit oder kontinuierliche Prozessführung sind von wesentlicher Bedeutung. Bewertung des Immobilisierungsträgers, Aktivitätserhalt, Wiederverwendungszyklen, Lagerstabilität, Betriebsstabilität und Kompatibilität mit den Reaktionsbedingungen.
Unterstützung bei der Bioprozessentwicklung Eine vielversprechende Reaktion entwickelt sich über den Proof-of-Concept hinaus in Richtung Prozessoptimierung oder Anwendung im größeren Maßstab. Bewertung der Substratbeladung, Produktkonzentration, Produktivität, Enzymumsatz, Cofaktor-Recycling, Enzymkosten, Robustheit, Downstream-Aufarbeitung, Trennleistung sowie Scale-up-Aspekte.
Modulare Service-Landkarte zur Auswahl des geeigneten Einstiegspunkts in ein Biokatalyseprojekt.

Repräsentative Enzymklassen in der Biokatalyse

Verschiedene Enzymklassen eignen sich für unterschiedliche Reaktionstypen. Die Auswahl der geeigneten Enzymklasse richtet sich nach der angestrebten Umwandlung, der Substratstruktur, den Produktspezifikationen sowie den Prozessbedingungen.

Ketoreduktasen und Alkoholdehydrogenasen

Wird zur stereoselektiven Reduktion von Ketonen oder Aldehyden zu Alkoholen eingesetzt, insbesondere bei der Synthese chiraler Alkohole.

Iminreduktasen und reduktive Aminasen

Wird zur Iminreduktion und reduktiven Aminierung bei der Synthese chiraler Amine sowie pharmazeutischer Wirkstoffbausteine eingesetzt.

Transaminasen

Katalysieren Aminogruppen-Transferreaktionen und unterstützen die Umwandlung von Ketonen oder Aldehyden in Amine.

Nitrilasen und Nitrilhydratases

Umwandlung von Nitrilen in Carbonsäuren oder Amide für die Feinchemikalien- und Industriechemikalien-Synthese.

Lipasen und Esterasen

Unterstützung bei Esterhydrolyse, Veresterung, Umesterung, chiraler Racematspaltung und Anwendungen mit immobilisierten Enzymen.

Oxidasen und Monooxygenasen

Selektive Oxidation, Alkoholoxidation, Baeyer-Villiger-Oxidation, C–H-Oxidation sowie Late-Stage-Modifikation ermöglichen.

Glykosyltransferasen

Katalysieren von Glykosylierungsreaktionen zur Modifikation von Naturstoffen, zur Synthese von Glykosiden sowie zur Entwicklung diagnostischer Substrate.

Halogenasen

Selektive Chlorierung oder Bromierung zur Diversifizierung von Leitstrukturen und zur selektiven Funktionalisierung ermöglichen.

Aldolasen und C‑C‑Bindung bildende Enzyme

Aufbau von Kohlenstoffgerüsten für chirale Bausteine, Zuckerderivate, Polyolderivate sowie die Auslegung mehrstufiger Kaskadenprozesse.

Repräsentative Enzymklassen und die von ihnen üblicherweise katalysierten Reaktionstypen.

Anwendungsbereiche

Biokatalyse kann vielfältige Anforderungen in Forschung, Entwicklung und Produktion in zahlreichen Branchen unterstützen.

Pharmazeutische Zwischenprodukte

Unterstützt chirale Amine, chirale Alkohole, Nukleosid‑Zwischenprodukte, Aminosäurederivate sowie weitere hochwertige Synthesebausteine.

Feinchemikalien

Unterstützt selektive Oxidation, Reduktion, Hydrolyse, Aminierung, Nitrilumwandlung, Glykosylierung sowie die Entwicklung von Spezialchemikalien.

Aroma- und Duftstoffverbindungen

Unterstützt die Synthese oder Modifizierung von Aromastoffen, Duftstoffzwischenprodukten, Estern, Lactonen und terpenoiden Derivaten.

Lebensmittel- und Nährstoffinhaltsstoffe

Unterstützt die Modifikation von Inhaltsstoffen, die Synthese von Süßungsmitteln, die Optimierung von Aromen, die Umwandlung von Kohlenhydraten, die Hydrolyse von Proteinen sowie die Herstellung funktioneller Verbindungen.

Entwicklung diagnostischer Enzyme

Unterstützt die Optimierung der Aktivität, die Bewertung der Spezifität, die Beurteilung der Matrixtoleranz, die Verbesserung der Stabilität, die Kompatibilität mit der Lyophilisierung sowie die Chargenkonsistenz.

Grüne Chemie

Unterstützt geringere Abfallmengen, einen reduzierten Energiebedarf, eine verbesserte Selektivität sowie eine geringere Abhängigkeit von gefährlichen Reagenzien.

Welche Informationen werden benötigt, um ein Biokatalyseprojekt zu starten?

Je mehr Informationen zu Beginn eines Projekts vorliegen, desto effizienter lässt sich eine Biokatalyse-Strategie bewerten. Bei Projekten in der Frühphase reichen häufig ein Zielprodukt, ein Substrat und die gewünschte Transformation aus, um eine erste Machbarkeitsprüfung zu initiieren.

  • Zielproduktstruktur
  • Ausgangsmaterial- oder Substratstruktur
  • Gewünschte Umstellung
  • Erforderliche Stereochemie bzw. Selektivität
  • Aktueller Syntheseweg, sofern verfügbar
  • Bekannte Engpässe im aktuellen Prozess
  • Gewünschter Maßstab und vorgesehener Anwendungsbereich
  • Bevorzugte Reaktionsbedingungen
  • Verfügbare analytische Methode
  • Anforderungen an Reinheit, Umwandlungsgrad oder Ausbeute
  • Bekannte Enzymkandidaten, sofern vorhanden
  • Relevante Fachliteratur- oder Patentreferenzen
  • Verfügbare Substratmenge für das Screening
  • Einschränkungen hinsichtlich Lösungsmittel, pH-Wert, Temperatur oder Prozessformat
  • Zeitplan und Dokumentationsanforderungen
  • Etwaige Anforderungen hinsichtlich Kofaktoren, Immobilisierung oder Scale-up (Maßstabsvergrößerung)

Mögliche Liefergegenstände

Die Liefergegenstände können je nach Ausrichtung des Projekts – ob explorativ, screeningorientiert, engineeringorientiert oder prozessentwicklungsorientiert – individuell angepasst werden.

  • Bericht zur Bewertung der biokatalytischen Machbarkeit
  • Liste der Kandidatenenzyme
  • Zusammenfassung der Literatur- und Datenbankrecherche
  • Empfohlene Enzymklassen
  • Enzym-Screeningplan und Screening-Ergebnisse
  • Rekombinante Enzymzubereitung oder gereinigte Enzymprobe
  • Aktivitätsassay-Daten und Bestätigung des Treffer-Enzyms
  • Substratspezifitätsprofil
  • Mutierte Enzymkandidaten
  • Daten zur Reaktionsoptimierung
  • Empfehlung zur Regeneration von Kofaktoren
  • Vorschlag für das Design einer Multi-Enzym-Kaskade
  • Bewertungsbericht zur Immobilisierung
  • Vorläufige Empfehlung zur Prozessentwicklung und Plan für die nächsten Schritte

So wählen Sie den richtigen Entwicklungspfad

Verschiedene Projekte erfordern unterschiedliche Einstiegspunkte. Der folgende Leitfaden kann Kunden dabei unterstützen, zu entscheiden, wo sie beginnen sollten.

Projektsituation Empfohlener Ausgangspunkt
Sie verfügen über ein Zielmolekül, jedoch über keinen geeigneten Enzymkandidaten. Beginnen Sie mit der Machbarkeitsbewertung der biokatalytischen Route sowie der Identifizierung und dem Screening potenzieller Enzymkandidaten.
Sie kennen den Reaktionstyp, wissen jedoch nicht, welches Enzym dafür verantwortlich ist. Beginnen Sie mit dem Screening kommerzieller Enzymbibliotheken oder der Identifizierung potenzieller Enzymkandidaten (Enzyme Candidate Mining).
Sie verfügen über eine Enzymsequenz, jedoch über kein Ausgangsmaterial. Beginnen Sie mit der kundenspezifischen Produktion rekombinanter Enzyme sowie der Validierung der Enzymaktivität.
Sie verfügen über ein aktives Enzym, jedoch ist die Umsetzungsrate gering. Beginnen Sie mit der Optimierung der Reaktionsbedingungen, dem Screening der Substratspezifität oder dem Enzym-Engineering.
Sie verfügen über ein aktives Enzym, jedoch mit unzureichender Stabilität. Beginnen Sie mit der Enzymstabilitätsentwicklung, der Optimierung der Reaktionsbedingungen oder der Bewertung der Immobilisierung.
Sie haben mehrere enzymatische Schritte im Sinn. Beginnen Sie mit dem Design einer Multi-Enzym-Kaskade und der Bewertung der Enzymkompatibilität.
Sie möchten zu einer großflächigeren Anwendung übergehen. Beginnen Sie mit der Unterstützung der Bioprozessentwicklung, der Bewertung der Produktivität, der Beurteilung der Substratbeladung sowie der Machbarkeitsprüfung der Immobilisierung.

Zugehörige Dienstleistungen und Produkte

Dieser Leitfaden ist Teil des Biokatalyse-Ressourcenclusters von Creative Enzymes. Je nach Projekt können die folgenden verwandten Dienstleistungen und Produkte relevant sein.

Häufig gestellte Fragen

  • F: Muss ich vor Projektbeginn wissen, welches Enzym eingesetzt werden soll?

    A: Nein. Wenn Sie lediglich das Zielprodukt, das Ausgangsmaterial oder die gewünschte Transformation kennen, kann eine initiale Machbarkeitsbewertung durchgeführt werden, um potenzielle Enzymklassen und Entwicklungsstrategien zu identifizieren.
  • F: Können kommerzielle Enzymbibliotheken für das frühe Screening eingesetzt werden?

    A: Ja. Kommerzielle Enzymbibliotheken sind häufig für Machbarkeitsprüfungen in der frühen Entwicklungsphase hilfreich. Wird ein Trefferenzym identifiziert, kann es weiter evaluiert oder optimiert werden.
  • F: Was passiert, wenn das Wildtyp-Enzym eine geringe Aktivität aufweist?

    A: Eine geringe Anfangsaktivität bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Projekt ungeeignet ist. Eine Optimierung der Reaktionsbedingungen, Enzym-Engineering oder die Evaluierung des Substratspektrums kann die Leistungsfähigkeit verbessern.
  • F: Kann die Biokatalyse auch für nicht-natürliche Substrate eingesetzt werden?

    A: Ja. Viele Biokatalyseprojekte umfassen nicht-natürliche Substrate. Allerdings sind häufig Screening und Enzym-Engineering erforderlich, da natürliche Enzyme für synthetische Substrate möglicherweise nicht optimal ausgelegt sind.
  • F: Können Multi-Enzym-Kaskaden für komplexe Synthesen konzipiert werden?

    A: Ja. Multi-Enzym-Kaskaden können konzipiert werden, sofern kompatible enzymatische Schritte verfügbar sind oder entwickelt werden können. Das Kaskadendesign kann die Isolierung von Zwischenprodukten reduzieren und die Effizienz des Synthesewegs verbessern.
  • F: Ist die Biokatalyse für die Skalierung auf den industriellen Maßstab geeignet?

    A: Das hängt von der Enzymaktivität, -stabilität, Substratbeladung, den Enzymkosten, den Cofaktoranforderungen, der Produktausbeute/-rückgewinnung sowie der Prozessrobustheit ab. Vor dem Scale-up sind in der Regel Machbarkeits- und Prozessentwicklungsstudien erforderlich.
  • F: Welche analytischen Methoden werden in Biokatalyseprojekten eingesetzt?

    A: Analytische Methoden können je nach Reaktion und Produkt u. a. HPLC, UHPLC, LC-MS, GC, UV/Vis-Assays, Fluoreszenzassays, kolorimetrische Assays, chirale Analytik sowie die Bestätigung der Produktidentität umfassen.
  • F: Kann Creative Enzymes unterstützen, wenn nur eine geringe Menge an Substrat verfügbar ist?

    A: In vielen Fällen kann das frühe Screening unter Verwendung von Reaktionsformaten im Kleinstmaßstab konzipiert werden. Die Machbarkeit eines Screenings mit geringer Substratmenge hängt von der Analysenmethode und der erwarteten Nachweisempfindlichkeit für das Produkt ab.

Planen Sie Ihr Biokatalyseprojekt mit Creative Enzymes

Biokatalyse kann eine leistungsfähige Strategie für die selektive Synthese, die enzymbasierte Routenentwicklung, die Optimierung diagnostischer Enzyme sowie die nachhaltige Prozessverbesserung sein. Ein erfolgreiches Projekt erfordert die richtige Kombination aus Reaktionsanalyse, Enzymauswahl, Screening, Enzym-Engineering und Prozessoptimierung.

Bitte stellen Sie Ihr Zielprodukt, die Substratstruktur, die gewünschte Transformation, die aktuelle Herausforderung sowie die verfügbaren analytischen Informationen bereit. Creative Enzymes kann Ihr Projekt prüfen und einen geeigneten Ausgangspunkt empfehlen.