Ressource

Umfassende Technologiedaten

Bakteriophagentypen: Ein Leitfaden zur Vielfalt dieser viralen Entitäten

Bakteriophagen, kurz Phagen, sind Viren, die spezifisch Bakterien infizieren. Sie sind außerordentlich vielfältig und weit verbreitet und spielen eine entscheidende Rolle bei der Formung bakterieller Populationen, der Förderung der mikrobiellen Evolution sowie der Beeinflussung verschiedenster Ökosysteme. Das Verständnis der Diversität von Bakteriophagen ist essenziell, um ihre ökologische Relevanz zu erfassen, phagenbasierte Therapien zu entwickeln und mikrobielle Prozesse in unterschiedlichen Umgebungen zu steuern. Dieser umfassende Leitfaden beleuchtet die verschiedenen Typen von Bakteriophagen und hebt Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich Struktur, Lebenszyklen und ökologischer Funktionen hervor.

3D-Illustration eines Bakteriophagen.

Klassifikation von Bakteriophagen

Morphologische Klassifikation

Bakteriophagen können anhand ihrer morphologischen Merkmale klassifiziert werden, darunter die Form ihres Kapsids (Kopf) sowie das Vorhandensein oder Fehlen eines Schwanzes. Das International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) erkennt auf Basis dieser Merkmale mehrere Familien von Bakteriophagen an:

Caudovirales (schwanztragende Phagen) Myoviridae: Diese Phagen besitzen kontraktile Schwänze, die wie eine Spritze funktionieren und ihr genetisches Material in bakterielle Zellen injizieren. Beispiele sind der T4-Phage, der Escherichia coli infiziert.
Siphoviridae: Diese Phagen haben lange, nicht kontraktile Schwänze, die eine graduellere Injektion des genetischen Materials ermöglichen. Beispiele sind der Lambda-Phage, der ebenfalls E. coli infiziert.
Podoviridae: Diese Phagen besitzen kurze, nicht kontraktile Schwänze und nutzen andere Mechanismen zur DNA-Injektion. Beispiele sind der T7-Phage, der E. coli infiziert.
Filamentöse Phagen Diese Phagen weisen eine filamentöse bzw. stäbchenförmige Struktur auf und sind typischerweise nicht-lytisch, d. h. sie führen nicht zum Aufplatzen (Lyse) der bakteriellen Zelle. Beispiele sind der M13-Phage, der E. coli infiziert.
Ikosaedrische Phagen Diese Phagen besitzen ein ikosaedrisches Kapsid und können einen Schwanz aufweisen oder nicht. Sie kommen häufig in Umgebungen mit hoher Bakteriendichte vor. Beispiele sind der PRD1-Phage, der Enterobacteriaceae infiziert.

Genetische Klassifikation

Bakteriophagen können auch anhand ihres genetischen Materials klassifiziert werden:

DNA-Phagen Doppelsträngige DNA (dsDNA) Diese Phagen besitzen ein doppelsträngiges DNA-Genom. Beispiele sind der T4-Phage (Myoviridae) und der Lambda-Phage (Siphoviridae).
Einzelsträngige DNA (ssDNA) Diese Phagen besitzen ein einzelsträngiges DNA-Genom. Beispiele sind der phiX174-Phage, der E. coli infiziert.
RNA-Phagen Doppelsträngige RNA (dsRNA) Diese Phagen besitzen ein doppelsträngiges RNA-Genom. Beispiele sind der phi6-Phage, der Pseudomonas infiziert.
Einzelsträngige RNA (ssRNA) Diese Phagen besitzen ein einzelsträngiges RNA-Genom. Beispiele sind der MS2-Phage, der E. coli infiziert.

Klassifikation von Bakteriophagen: Microviridae (phiX174), Inoviridae, Myoviridae (T4), Podoviridae (T7), Ackermannviridae (AG3), Siphoviridae (lambda), Corticoviridae (PM2), Tectiviridae (PRD1), Plasmaviridae (MVL2), Cystoviridae (phi6) und Leviviridae (MS2).

Klassifikation von Bakteriophagen: Microviridae (phiX174), Inoviridae, Myoviridae (T4), Podoviridae (T7), Ackermannviridae (AG3), Siphoviridae (lambda), Corticoviridae (PM2), Tectiviridae (PRD1), Plasmaviridae (MVL2), Cystoviridae (phi6) und Leviviridae (MS2).

Klassifikation von Bakteriophagen: Microviridae (phiX174), Inoviridae, Myoviridae (T4), Podoviridae (T7), Ackermannviridae (AG3), Siphoviridae (lambda), Corticoviridae (PM2), Tectiviridae (PRD1), Plasmaviridae (MVL2), Cystoviridae (phi6) und Leviviridae (MS2).Abbildung 1. Phagenklassifikation basierend auf Morphologie und Genomtyp. (Dion et al., 2020)

Unterschiede in den Lebenszyklen

Lytischer Zyklus

Im lytischen Zyklus infiziert der Phage die bakterielle Zelle, kapert deren zelluläre Maschinerie zur Replikation seines genetischen Materials und zur Produktion neuer Phagenpartikel und führt schließlich zur Lyse der bakteriellen Zelle. Dieser Prozess verläuft schnell und resultiert im Absterben des bakteriellen Wirts. Lytische Phagen werden aufgrund ihrer Fähigkeit, bakterielle Zellen abzutöten, häufig in der Phagentherapie eingesetzt.

Lysogener Zyklus

Im lysogenen Zyklus integriert sich die Phagen-DNA in das bakterielle Chromosom und wird während der Zellteilung zusammen mit der bakteriellen DNA repliziert. Der Phage verbleibt in der bakteriellen Zelle in einem latenten Zustand, bis bestimmte Bedingungen den Wechsel in den lytischen Zyklus auslösen. Lysogene Phagen können Gene tragen, die dem bakteriellen Wirt adaptive Vorteile verleihen, z. B. Antibiotikaresistenzen oder Virulenzfaktoren.

Lebenszyklus von Bakteriophagen: lytischer und lysogener Zyklus.Abbildung 2. Lytischer Zyklus im Vergleich zum lysogenen Zyklus.

Ökologische Funktionen

Anwendungsfelder der Bakteriophagen-Diversität

Bakteriophagen weisen eine bemerkenswerte Vielfalt hinsichtlich Morphologie, Genetik und ökologischer Funktionen auf. Das Verständnis der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Bakteriophagentypen ist entscheidend, um ihr Potenzial in unterschiedlichen Anwendungsfeldern – von der Phagentherapie bis zum Umweltmanagement – nutzbar zu machen. Laufende Forschung und technologische Fortschritte in der Phagenbiologie eröffnen vielversprechende Möglichkeiten, die enorme Diversität von Bakteriophagen weiter zu erschließen und gezielt zu nutzen.

Möchten Sie die Leistungsfähigkeit von Bakteriophagen für Ihre spezifischen Anforderungen nutzen? Creative Enzymes bietet wirksame, nachhaltige Tools für moderne Produktionssysteme in Landwirtschaft, Aquakultur und Lebensmittelsicherheit. Kontaktieren Sie uns, um zu besprechen, wie unsere Phagenprodukte Ihre Branche transformieren können.

Reference:

  1. Dion MB, Oechslin F, Moineau S. Phage diversity, genomics and phylogeny. Nat Rev Microbiol. 2020;18(3):125-138. doi:10.1038/s41579-019-0311-5