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Wie sich Bakteriophagen vermehren: Im Zyklus der viralen Reproduktion

Bakteriophagen, oder Phagen, sind Viren, die spezifisch Bakterien infizieren. Diese bemerkenswerten Entitäten haben ausgeklügelte Mechanismen entwickelt, um bakterielle Zellen zu kapern und sich zu vermehren. Das Verständnis der Feinheiten des Reproduktionszyklus von Bakteriophagen ist entscheidend, um ihr Potenzial in verschiedenen Bereichen wie Medizin, Biotechnologie und Umweltwissenschaften zu nutzen. Bei Creative Enzymes stellen wir die detaillierten Schritte des Lebenszyklus von Bakteriophagen vor und beleuchten sowohl den lytischen als auch den lysogenen Zyklus sowie die molekularen Mechanismen, die diese Prozesse antreiben.

3D-Illustration eines an ein Bakterium gebundenen Bakteriophagen.

Lytischer Zyklus

Der lytische Zyklus ist ein virulenter Weg, bei dem der Phage einen empfänglichen bakteriellen Wirt befällt, dessen Stoffwechselapparat zur Synthese von Nachkommenvirionen übernimmt und letztlich die Lyse der Wirtszelle verursacht, um neu gebildete Phagen freizusetzen. Dieser Zyklus verläuft schnell und ist je nach Phagen- und Wirtsart typischerweise innerhalb von 20 bis 60 Minuten abgeschlossen.

  1. Adsorption: Der Infektionsprozess beginnt mit der Adsorption, bei der der Phage spezifische Rezeptoren auf der Oberfläche der Bakterienzelle erkennt und bindet. Diese Rezeptoren können je nach Wirtsart und Phagentyp Lipopolysaccharide (LPS), Teichonsäuren, Flagellen oder Pili umfassen. Diese Spezifität bestimmt das Wirtsspektrum und die Tropismus. Die Bindung wird durch Phagenschwanzfasern oder andere spezialisierte Strukturen vermittelt, die eine hochaffine Bindung ermöglichen.
  2. Penetration: Nach der Adsorption folgt die Penetration, bei der der Phage seine Nukleinsäure (DNA oder RNA) in das Zytoplasma des Wirts injiziert. Dies geschieht typischerweise durch Kontraktion der Schwanzscheide (bei kontraktilen Phagen wie T4), wodurch ein hohler Kern durch die Zellhülle des Bakteriums getrieben wird. Das proteinreiche Kapsid bleibt extrazellulär und dient ausschließlich als Transportapparat.
  3. Synthese der Phagenkomponenten: Im Inneren des Wirts lenkt das Phagengenom die Transkriptions- und Translationsmaschinerie des Wirts zur Synthese der Phagenkomponenten um. Frühe Gene kodieren oft Enzyme, die für die DNA-Replikation und die Übernahme des Wirts notwendig sind, während späte Gene typischerweise Strukturproteine und lytische Enzyme kodieren. Das bakterielle Chromosom wird häufig abgebaut, um Nukleotide freizusetzen und die Expression von Wirtsgenen zu unterdrücken.
  4. Zusammenbau und Reifung: Die Phagenmorphogenese erfolgt in der Phase des Zusammenbaus und der Reifung. Strukturproteine lagern sich selbst zu Kapsiden, Schwänzen und anderen Komponenten zusammen. Die neu replizierten Genome werden in einem ATP-abhängigen Prozess in vorgeformte Kapside verpackt. Schwanzfasern und Basalplatten werden dann in einer sequenziellen und streng regulierten Weise angefügt. Das Ergebnis ist eine Population reifer, infektiöser Virionen.
  5. Freisetzung: Der letzte Schritt ist die Lyse der Wirtszelle, vermittelt durch phagenkodierte Holine und Endolysine. Holine bilden Poren in der inneren Membran, wodurch Endolysine Zugang zur Peptidoglykanschicht erhalten, die sie enzymatisch abbauen. Die geschwächte Zellwand führt zur osmotischen Lyse und setzt die Nachkommenphagen frei, um eine neue Infektionsrunde einzuleiten.

Lysogener Zyklus

Im Gegensatz zum virulenten lytischen Weg ist der lysogene Zyklus eine latente Replikationsstrategie, die hauptsächlich mit temperenten Phagen wie Lambda (λ) assoziiert ist. Dieser Zyklus ermöglicht es dem Phagengenom, im Wirt zu verbleiben, ohne sofortigen Zelltod zu verursachen. Die Phagen-DNA integriert sich in das Wirtschromosom und wird während der Zellteilung passiv zusammen mit dem Wirtsgenom repliziert.

  1. Integration: Der entscheidende Schritt der Lysogenie ist die Integration, bei der das Phagengenom, das beim Eintritt typischerweise linear vorliegt, zirkularisiert und durch ortsspezifische Rekombination in eine bestimmte Stelle des bakteriellen Chromosoms eingebaut wird. Diese integrierte Phagen-DNA wird als Prophage bezeichnet, und das Wirtsbakterium wird nun als Lysogen bezeichnet. Diese Integration ist streng reguliert und wird durch Rekombinasen (z. B. Integrase) vermittelt, die vom Phagengenom kodiert werden. Der lysogene Zustand ist in der Regel stabil und nicht tödlich, wobei der Prophage durch Repressorproteine (z. B. λ CI-Repressor), die die Expression lytischer Gene hemmen, transkriptionell stillgelegt bleibt.
  2. Replikation: Nach der Integration wird der Prophage passiv zusammen mit dem Wirtsgenom repliziert. Jedes Mal, wenn das Bakterium sich teilt, erben die Nachkommen eine Kopie des Prophagen. In diesem Zustand wird der Phage effektiv Teil des genetischen Repertoires des Wirts und kann sogar selektive Vorteile verleihen, wie z. B. Resistenz gegen Superinfektion oder neue metabolische Fähigkeiten (lysogene Konversion).
  3. Induktion: Der lysogene Zustand ist reversibel. Unter Stressbedingungen – wie UV-Bestrahlung, Antibiotikaexposition, oxidativem Stress oder DNA-Schäden – kann der Prophage dazu angeregt werden, sich aus dem bakteriellen Chromosom herauszuschneiden. Dieser Prozess, Induktion genannt, reaktiviert das lytische Programm. Das herausgeschnittene Phagengenom nimmt die aktive Replikation wieder auf, was zur Produktion neuer Virionen und schließlich zur Lyse der Wirtszelle führt. Die Induktion wird typischerweise durch die SOS-Antwort in Bakterien gesteuert, die die RecA-Protease-Aktivität aktiviert, welche das Phagen-Repressorprotein spaltet und so die Repression der lytischen Gene aufhebt.

Lytischer Lebenszyklus und lysogener Lebenszyklus eines Bakteriophagen.Abbildung 1. Lebenszyklus des typischen temperenten Phagen Coliphage-λ. Das Phagenpartikel trifft auf die Zelloberfläche und bindet mit der Spitze seines Schwanzes, woraufhin die Phagen-DNA eintritt und eine leere Proteinhülle außen an der Zelle zurückbleibt. Anschließend verbinden sich die Enden des linearen DNA-Moleküls zu einem Kreis. Der Schließpunkt wird als Kohäsionsstelle (cos) bezeichnet. In einigen infizierten Zellen wird die DNA transkribiert, translatiert und repliziert. Es gibt zwei Replikationswege: θ-Form und Rolling Circle. Die Rolling-Circle-Replikation erzeugt multigenomische Stränge linearer doppelsträngiger DNA (dsDNA), aus denen DNA in vorgeformte Proteinhüllen gezogen wird; Schwänze werden hinzugefügt und die Zelle lysiert, um eine neue Generation von Phagen freizusetzen. In anderen infizierten Zellen wird die Phagenentwicklung unterdrückt und die Phagen-DNA integriert sich in das bakterielle Chromosom. Die resultierende lysogene Zelle kann sich unbegrenzt replizieren, kann aber durch Exzision der Phagen-DNA aus dem Chromosom wieder in den lytischen Zyklus überführt werden. (Campbell, 2003)

Lytische vs. lysogene Strategien: Biologische Implikationen

Die Wahl zwischen lytischem und lysogenem Weg wird durch die Physiologie des Wirts, Umweltbedingungen und die genetische Schaltung des Phagen beeinflusst. Beispielsweise begünstigen hohe Wirtsdichte und Nährstoffverfügbarkeit oft den lytischen Zyklus, was eine schnelle Phagenvermehrung ermöglicht. Umgekehrt kann eine geringe Wirtsdichte oder Stressbedingungen die Lysogenie als Überlebensstrategie begünstigen.

Ökologisch betrachtet ermöglichen diese beiden Replikationsmodi den Phagen, sowohl als Populationskontrollagenten (durch Lyse) als auch als Vehikel für horizontalen Gentransfer (durch Lysogenie) zu wirken. Diese Dualität bildet die Grundlage ihrer Rolle in der mikrobiellen Evolution und den Dynamiken von Ökosystemen.

Spezialisierte und generalisierte Transduktion

Eine bemerkenswerte Folge der Lebenszyklen von Bakteriophagen ist ihre Rolle beim horizontalen Gentransfer, insbesondere durch Transduktion.

Transduktionsprozess eines Bakteriophagen.Abbildung 2. Darstellung des Unterschieds zwischen generalisierter Transduktion, bei der beliebige bakterielle Gene durch einen Bakteriophagen auf ein zweites Bakterium übertragen werden, und spezialisierter Transduktion, bei der nur bestimmte bakterielle Gene auf ein Empfängerbakterium übertragen werden. Während die generalisierte Transduktion zufällig und leichter auftreten kann, hängt die spezialisierte Transduktion vom Ort der Gene auf dem Chromosom und der fehlerhaften Exzision eines Prophagen ab.

Das Verständnis des Replikationszyklus von Bakteriophagen ist der Schlüssel, um ihr volles Potenzial in Forschung, Therapie und Biotechnologie zu nutzen. Bei Creative Enzymes bieten wir verschiedene hochwertige Phagenprodukte an, die für Präzision und Leistung entwickelt und charakterisiert wurden. Kontaktieren Sie uns noch heute bei Fragen und Anfragen.

Referenz:

  1. Campbell A. Die Zukunft der Bakteriophagenbiologie. Nat Rev Genet. 2003;4(6):471-477. doi:10.1038/nrg1089